Gedanken aus dem SafeSpace
Wenn der Tag mit einem Meltdown beginnt
Es ist 07:45 Uhr.
Eigentlich müssten wir längst los.
Der Rucksack steht bereit. Die Schuhe liegen an der Tür. Im Kopf gehe ich bereits die Termine des Tages durch. Schule, Arbeit, Haushalt, Therapien, Anrufe. Alles wartet.
Und dann passiert etwas, das viele Eltern neurodivergenter Kinder kennen:
Mein Kind kann nicht mehr.
Es weint. Es schreit. Es ist überfordert.
Früher haben mich solche Situationen unglaublich gestresst. Heute manchmal auch noch wenn ich ehrlich bin. Nicht nur, weil wir zu spät kamen oder weil Pläne durcheinandergerieten. Sondern weil ich dachte, ich müsste das Problem sofort lösen.
Ich glaubte, gute Eltern hätten immer die richtige Antwort. Die richtigen Worte. Die perfekte Strategie.
Heute sehe ich das anders.
Ein Meltdown ist kein schlechtes Verhalten.
Ein Meltdown ist oft ein Zeichen dafür, dass gerade alles zu viel geworden ist. Zu viele Reize. Zu viele Erwartungen. Zu viele Gefühle auf einmal.
In solchen Momenten braucht mein Kind meistens keine Vorträge und keine schnellen Lösungen.
Es braucht Sicherheit.
Jemanden, der da bleibt.
Jemanden, der aushält, dass gerade nicht alles funktioniert.
Das klingt einfach. Ist es aber nicht.
Denn während mein Kind überfordert ist, läuft in meinem eigenen Kopf ebenfalls eine lange Liste weiter:
- Wir kommen zu spät.
- Was denken die anderen?
- Ich muss zur Arbeit.
- Der Termin darf nicht ausfallen.
- Wie soll ich das heute alles schaffen?
Auch ich bin dann gestresst. Auch ich bin müde. Auch ich wünsche mir manchmal, dass jemand kurz die Verantwortung übernimmt.
Deshalb habe ich etwas Wichtiges gelernt:
Wenn mein Kind Sicherheit braucht, darf ich mir diese Sicherheit auch selbst geben.
Nicht perfekt reagieren.
Nicht alles kontrollieren.
Nicht sofort eine Lösung finden.
Sondern erst einmal atmen.
Einen Schritt nach dem anderen gehen.
Manche Morgen beginnen chaotisch. Manche Tage starten mit Tränen statt mit einem Lächeln. Das bedeutet nicht, dass wir versagt haben.
Es bedeutet nur, dass wir Menschen sind.
Und vielleicht müssen wir uns als Eltern manchmal daran erinnern, dass wir nicht nur diejenigen sind, die Sicherheit geben.
Wir dürfen sie auch selbst brauchen.
🤍
Kennst du solche Morgen?
Das Gefühl, immer funktionieren zu müssen
Kennst du das?
Der Wecker klingelt und noch bevor du die Augen richtig geöffnet hast, läuft die Liste in deinem Kopf bereits los.
An den Arzttermin denken.
Die Schulsachen kontrollieren.
Eine Nachricht beantworten.
Den Einkauf planen.
An die Therapie erinnern.
Die Wäsche.
Die Arbeit.
Den Haushalt.
Und während du von einer Aufgabe zur nächsten gehst, bleibt kaum Zeit, um innezuhalten und zu fragen:
Wie geht es eigentlich mir?
Wenn Funktionieren zur Gewohnheit wird
Ich glaube, viele Eltern kennen dieses Gefühl.
Besonders dann, wenn das eigene Kind zusätzliche Unterstützung benötigt.
Wenn Termine koordiniert, Formulare ausgefüllt, Gespräche geführt und Entscheidungen getroffen werden müssen.
Irgendwann wird das Funktionieren zur Gewohnheit.
Man macht einfach weiter.
Nicht weil man sich stark fühlt.
Sondern weil man das Gefühl hat, keine andere Wahl zu haben.
Denn jemand muss sich kümmern.
Jemand muss den Überblick behalten.
Jemand muss daran denken.
Und oft sind wir genau diese Person.
Der unsichtbare Rucksack
Von außen sieht man häufig nur einen kleinen Teil dessen, was Eltern täglich tragen.
Man sieht vielleicht den Arzttermin.
Oder die Therapiesitzung.
Oder den Schulranzen am Morgen.
Was man nicht sieht, sind die Gedanken dazwischen.
Die Sorgen um die Zukunft.
Die Frage, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat.
Die schlaflosen Nächte.
Die To-do-Listen im Kopf.
Die Verantwortung, die sich oft schwerer anfühlt als jeder vollgepackte Rucksack.
Und genau deshalb sind viele von uns nicht erschöpft, weil sie zu schwach wären.
Sondern weil sie schon lange sehr viel tragen.
Wann hast du zuletzt auf dich selbst geachtet?
Eine Frage, die ich mir selbst viel zu selten gestellt habe.
Denn wenn man ständig damit beschäftigt ist, sich um andere zu kümmern, wird das eigene Wohlbefinden oft zur Nebensache.
Die Pause wird verschoben.
Die eigenen Bedürfnisse werden vertagt.
Die Erschöpfung wird ignoriert.
Schließlich funktioniert man ja noch.
Doch nur weil wir funktionieren, bedeutet das nicht, dass es uns gut geht.
Stärke sieht anders aus
Lange Zeit habe ich Stärke damit verbunden, alles allein schaffen zu müssen.
Heute glaube ich etwas anderes.
Stärke bedeutet nicht, immer weiterzumachen.
Stärke bedeutet auch, ehrlich zu sich selbst zu sein.
Zu erkennen, wenn etwas zu viel wird.
Unterstützung anzunehmen.
Grenzen wahrzunehmen.
Und sich selbst mit der gleichen Fürsorge zu begegnen, die man anderen jeden Tag schenkt.
Du bist nicht allein
Falls du gerade das Gefühl hast, ständig funktionieren zu müssen:
Du bist damit nicht allein.
Und du musst nicht erst vollkommen erschöpft sein, damit deine Belastung berechtigt ist.
Vielleicht ist es heute genug, einfach anzuerkennen:
“Ja. Das ist gerade viel.”
Nicht weil du schwach bist.
Sondern weil du schon lange sehr stark gewesen bist.
🤍
Vielleicht bist du nicht überfordert, weil du zu schwach bist.
Kennst du das Gefühl, ständig hinterherzulaufen?
Du denkst an den nächsten Arzttermin, die Schulsachen für morgen, die Einkaufsliste, unbeantwortete Nachrichten, Formulare, Therapien, Termine und all die kleinen Dinge, die niemand sieht – die aber trotzdem erledigt werden müssen.
Und während du versuchst, alles unter einen Hut zu bekommen, schleicht sich ein Gedanke ein:
“Warum schaffe ich das nicht besser?”
Vielleicht vergleichst du dich mit anderen Eltern. Vielleicht fragst du dich, warum sie scheinbar alles mühelos bewältigen, während du schon morgens das Gefühl hast, dass der Tag zu schwer ist.
Lange Zeit dachte ich genau das.
Ich war überzeugt, ich müsste einfach nur besser organisiert sein. Noch eine Liste schreiben. Noch eine App ausprobieren. Noch mehr planen. Noch mehr leisten.
Doch irgendwann wurde mir klar:
Das Problem war nicht, dass ich zu wenig getan habe.
Das Problem war, dass ich versucht habe, zu viel gleichzeitig zu tragen.
Die Last, die niemand sieht
Besonders Eltern neurodivergenter Kinder kennen diese unsichtbare Last.
Da sind die Termine bei Ärzten, Therapeuten oder in der Schule. Die Gedanken darüber, ob das eigene Kind verstanden wird. Die Sorge um die Zukunft. Das ständige Erklären gegenüber anderen Menschen. Die Anpassungen im Alltag, die niemand bemerkt.
Und oft kommt noch etwas dazu:
Das Gefühl, mit all dem allein zu sein.
Von außen sieht vieles ganz normal aus. Doch im Inneren läuft ein Dauerprogramm aus Organisieren, Planen, Erinnern, Sorgen und Funktionieren.
Kein Wunder, dass irgendwann die Kraft nachlässt.
Du musst nicht erst zusammenbrechen
Etwas, das ich selbst erst lernen musste:
Belastung muss nicht erst in einem Zusammenbruch enden, um berechtigt zu sein.
Du musst nicht warten, bis gar nichts mehr geht.
Du musst nicht beweisen, wie stark du bist.
Und du musst dich nicht dafür rechtfertigen, dass etwas schwer ist.
Manchmal ist es bereits genug anzuerkennen:
“Ja. Das ist gerade viel.”
Nicht weil du schwach bist.
Sondern weil du viel trägst.
Ein Ort für ehrliche Gedanken
Mit SafeMind möchte ich einen Raum schaffen für genau diese Gedanken.
Für die Dinge, die oft unausgesprochen bleiben.
Für Eltern zwischen Funktionieren und Erschöpfung.
Für Menschen, die sich manchmal fragen, ob sie die Einzigen sind, denen alles zu viel wird.
Du bist es nicht.
Und vielleicht beginnt Entlastung nicht damit, noch mehr zu leisten.
Vielleicht beginnt sie damit, anzuerkennen, wie viel du bereits jeden Tag trägst.
🤍
Ich dachte lange, alle anderen hätten eine Anleitung fürs Leben bekommen
Kennst du das Gefühl, dass andere Menschen scheinbar mühelos durchs Leben gehen?
Dass sie wissen, wie man Freundschaften schließt, Konflikte löst, Entscheidungen trifft und einfach seinen Platz findet?
Lange Zeit dachte ich, alle anderen hätten dafür eine Art Anleitung bekommen.
Nur ich nicht.
Natürlich wusste ich, dass das nicht wirklich so ist. Trotzdem fühlte es sich oft genau so an.
Während andere scheinbar selbstverständlich mit Situationen umgingen, analysierte ich. Ich beobachtete. Ich fragte mich, was ich übersehen hatte und warum manche Dinge für mich so viel komplizierter wirkten.
Besonders in sozialen Situationen hatte ich oft das Gefühl, eine Regel nicht verstanden zu haben, die allen anderen längst bekannt war.
Also begann ich, mich anzupassen.
Ich beobachtete Menschen, analysierte Gespräche und versuchte herauszufinden, wie man „richtig“ funktioniert.
Damals dachte ich, das Problem läge bei mir.
Heute sehe ich das anders.
Mit den Jahren habe ich gelernt, dass viele Menschen dieses Gefühl kennen. Sie sprechen nur selten darüber.
Viele von uns laufen durch die Welt und glauben, sie seien die Einzigen, die zweifeln. Die Einzigen, die sich anders fühlen. Die Einzigen, die das Gefühl haben, ständig einen Schritt hinter allen anderen zu sein.
Dabei sitzen oft mehrere Menschen im selben Raum und denken genau das Gleiche.
Vielleicht haben die anderen also gar keine Anleitung bekommen.
Vielleicht versuchen wir alle nur, unseren eigenen Weg zu finden.
Und vielleicht bedeutet Anderssein nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt.
Vielleicht bedeutet es einfach, dass unser Weg anders aussieht als der der Menschen um uns herum.
Wenn du dieses Gefühl kennst, möchte ihr dir eines sagen:
Du bist damit nicht allein.
🤍
