Gedanken aus dem SafeSpace

Gedanken aus dem SafeSpace

Wer hat eigentlich beschlossen, wie Erholung aussehen muss?

Ich habe lange geglaubt, dass Erholung einem festen Bild folgen muss.

Man legt die Beine hoch, schaut eine Serie, liest ein Buch oder macht einen Spaziergang.

Alles andere fühlte sich irgendwie… falsch an.

Wenn ich an meinem Schreibtisch saß und an SafeMind gearbeitet habe, dachte ich oft: Das zählt doch nicht als Pause.

Wenn ich den Kleiderschrank ausgeräumt oder eine Schublade sortiert habe, kam schnell der Gedanke: Jetzt bist du schon wieder produktiv.

Doch irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich dabei an einem Maßstab orientiere, der gar nicht meiner ist.

Erholung ist keine Checkliste

Ich glaube, wir haben gelernt, Erholung nach außen zu bewerten.

Wer nichts tut, erholt sich.

Wer etwas erledigt, arbeitet.

So einfach scheint die Welt zu sein.

Aber unser Nervensystem funktioniert nicht nach solchen Regeln.

Es fragt nicht, ob wir gerade produktiv sind.

Es fragt nur:

Fühlt sich das gerade sicher an?

Gibt mir das Energie oder nimmt es sie mir?

Für manche Menschen ist ein Nachmittag auf dem Sofa genau das Richtige.

Andere fühlen sich danach sogar unruhiger als vorher.

Manche tanken Kraft beim Joggen.

Andere beim Gärtnern.

Beim Malen.

Beim Backen.

Beim Stricken.

Oder eben beim Aufräumen.

Warum Ordnung für mich manchmal Erholung ist

Wenn ich Ordnung schaffe, passiert etwas Interessantes.

Nicht nur mein Schreibtisch wird übersichtlicher.

Auch in meinem Kopf wird es ruhiger.

Ich denke klarer.

Ich atme tiefer.

Ich habe das Gefühl, wieder einen Überblick zu bekommen.

Das hat nichts mit Perfektionismus zu tun.

Und auch nichts damit, ständig funktionieren zu müssen.

Es ist einfach eine Art, wie mein Gehirn zur Ruhe findet.

An anderen Tagen wäre genau das zu viel.

Dann brauche ich Stille.

Oder Musik.

Oder einfach die Erlaubnis, gar nichts zu tun.

Und genau darin liegt für mich die wichtigste Erkenntnis:

Erholung darf sich verändern.

Es gibt nicht die eine richtige Pause

Vielleicht besteht die größte Freiheit gar nicht darin, mehr Zeit für Erholung zu haben.

Vielleicht besteht sie darin, sich nicht mehr ständig zu fragen, ob die eigene Art der Erholung “richtig” ist.

Nicht jede Pause muss gleich aussehen.

Nicht jeder freie Moment muss gleich genutzt werden.

Und nicht jeder Mensch lädt seine Batterien auf dieselbe Weise auf.

Ich wünsche mir, dass wir aufhören, Erholung zu bewerten.

Und anfangen, neugierig zu werden.

Was tut mir heute wirklich gut?

Nicht gestern.

Nicht letzte Woche.

Heute.

Denn manchmal ist Erholung ein Spaziergang.

Manchmal ein aufgeräumter Schreibtisch.

Manchmal eine Stunde an einem Herzensprojekt.

Und manchmal ist Erholung einfach nur der Satz:

“Für heute ist genug.”

Man nennt mich organisiert. Ich nenne es Maskieren.

„Du bist immer so organisiert.“

Diesen Satz höre ich oft.

Manchmal auch:
„Ich weiß gar nicht, wie du das alles schaffst.“

Und jedes Mal denke ich das Gleiche:

Wenn ihr wüsstet.

Denn Organisation war für mich nie etwas, das einfach da war.

Sie wurde mir nicht in die Wiege gelegt.

Sie ist entstanden, weil ich früh gelernt habe, dass Fehler auffallen.
Dass Vergessen Konsequenzen haben kann.
Dass Anpassung oft sicherer ist als aufzufallen.

Und irgendwann entsteht daraus etwas, das nach außen wie eine besondere Stärke aussieht.

Ein perfekt gepflegter Kalender.
Erinnerungen im Handy.
To-do-Listen.
Feste Abläufe.
Doppelte Kontrollen.

Viele Menschen sehen das und denken:
“Die hat ihr Leben wirklich im Griff.”

Was sie nicht sehen, ist die Energie dahinter.


 

Wenn Organisation zur Überlebensstrategie wird

Gerade bei vielen neurodivergenten Menschen – besonders bei Frauen – sieht ADHS oft ganz anders aus,     als es die meisten erwarten.

Viele denken an Chaos.
An vergessene Termine.
An Unordnung.
An ständiges Zuspätkommen.

Ich erkenne mich darin kaum wieder.

Nicht, weil mein Gehirn automatisch organisiert wäre.

Sondern weil ich über Jahre gelernt habe, jede mögliche Schwäche auszugleichen.

Ich plane voraus.
Ich kontrolliere mehrfach.
Ich denke an alles gleichzeitig.

Nicht, weil es leicht ist.

Sondern weil ich Angst habe, was passiert, wenn ich es nicht tue.


 

Was andere oft nicht sehen

Dafür sieht man andere Dinge:

Dass ich kompliziert denke.

Dass Veränderungen mich mehr Kraft kosten.

Dass Gefühle manchmal lauter sind, als ich es selbst gerne hätte.

Dass mein Kopf selten wirklich Pause macht.

Viele sehen nur mein Verhalten.

Kaum jemand sieht, wie viel Energie mich das Maskieren vorher gekostet hat.

Maskieren bedeutet nicht nur, bestimmte Eigenschaften zu verstecken.

Es bedeutet oft auch, sich jeden Tag so anzupassen, dass andere möglichst wenig von den eigenen Herausforderungen bemerken.

Von außen wirkt das häufig souverän.

Von innen fühlt es sich meist an wie ein Vollzeitjob.


 

Ich wünsche mir etwas anderes

Ich wünsche mir keine Bewunderung dafür, wie gut ich funktioniere.

Ich wünsche mir eine Welt, in der Menschen weniger Energie darauf verwenden müssen, sich anzupassen,    um akzeptiert zu werden.

Eine Welt, in der Organisation nicht automatisch als Beweis dafür gilt, dass jemand keine Schwierigkeiten haben kann.

Und eine Welt, in der Mütter nicht das Gefühl haben, ständig funktionieren zu müssen, um als „gute Mutter“ zu gelten.

Vielleicht würde das vielen Menschen erlauben, endlich ein kleines Stück ehrlicher zu sein.

Mit anderen.

Und vor allem mit sich selbst.

Denn manchmal ist das, was wie eine Stärke aussieht, gar keine Stärke.

Manchmal ist es einfach eine Überlebensstrategie.

Du darfst Dinge persönlich nehmen

„Nimm das nicht persönlich.“

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Satz in meinem Leben schon gehört habe.

Vielleicht kennst du ihn auch. Jemand sagt etwas Verletzendes. Jemand überschreitet eine Grenze. Jemand behandelt dich respektlos. Und fast sofort kommt dieser Satz:

„Das war bestimmt nicht so gemeint.“
„Du bist zu sensibel.“
„Nimm das nicht persönlich.“

Und irgendwann passiert etwas Merkwürdiges.

Man fängt an, sich selbst weniger zu vertrauen.

So ging es zumindest mir.

Nicht alles ist persönlich. Aber manches eben doch.

Versteh mich nicht falsch.

Ich glaube nicht, dass alles um uns herum mit uns zu tun hat. Menschen haben schlechte Tage. Sie sind gestresst, überfordert oder tragen ihre eigenen Themen mit sich herum. Nicht jede unbedachte Bemerkung ist ein Angriff.

Aber manchmal spüren wir ziemlich deutlich, dass etwas nicht stimmt.

Manchmal bleiben Worte hängen.

Manchmal begleitet uns dieses unangenehme Ziehen im Bauch noch Stunden später.

Manchmal fühlen wir uns gekränkt, ungerecht behandelt oder herabgesetzt.

Und dann beginnt oft das Gedankenkarussell:

„Vielleicht bilde ich mir das nur ein.“
„Vielleicht bin ich wirklich zu empfindlich.“
„Vielleicht habe ich das falsch verstanden.“

Ich habe lange versucht, genau so mit meinen Gefühlen umzugehen. Ich habe sie analysiert, hinterfragt und häufig sogar wegdiskutiert.

Bis ich irgendwann gemerkt habe, dass ich damit vor allem eines tue:

Mich selbst nicht ernst nehmen.

Eine Frage, die vieles verändert hat

Vor einiger Zeit bin ich über eine Frage gestolpert, die mir seitdem immer wieder hilft:

„Ich hab gerade das Gefühl, das ist was Persönliches – ist es was Persönliches?“

So simpel dieser Satz klingt, so kraftvoll ist er für mich geworden.

Denn er enthält weder einen Vorwurf noch eine Anschuldigung.

Er ist eine Einladung zur Klärung.

Manchmal lautet die Antwort tatsächlich:

„Nein, überhaupt nicht. Das war anders gemeint.“

Und manchmal lautet die Antwort:

„Ja, ehrlich gesagt hat mich etwas geärgert.“

Beides ist in Ordnung.

Denn in beiden Fällen bekomme ich Klarheit.

Die Antwort löst nicht alles

Natürlich verschwindet dadurch nicht automatisch die Kränkung.

Das Ziehen im Bauch bleibt manchmal trotzdem.

Die Enttäuschung verschwindet nicht auf Knopfdruck.

Und auch Ungerechtigkeit fühlt sich nicht plötzlich fair an, nur weil man sie angesprochen hat.

Aber etwas anderes verändert sich.

Ich habe für mich eingestanden.

Ich habe meiner Wahrnehmung Raum gegeben.

Ich habe mich selbst ernst genommen.

Und das fühlt sich oft besser an, als schweigend weiterzugrübeln.

Was ich meinem Kind vorleben möchte

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum mir dieses Thema so wichtig geworden ist.

Als Mutter frage ich mich oft:

Was möchte ich meinem Kind eigentlich mitgeben?

Möchte ich ihm beibringen, alles auszuhalten?

Sich ständig selbst zu hinterfragen?

Immer zuerst anzunehmen, dass die eigenen Gefühle falsch sind?

Nein.

Ich wünsche mir für mein Kind echtes Selbstbewusstsein.

Nicht die laute, überhebliche Variante.

Sondern die ruhige Gewissheit:

„Meine Gefühle haben einen Wert.“
„Meine Grenzen sind wichtig.“
„Ich darf aussprechen, wenn mich etwas verletzt.“

Und wenn ich möchte, dass mein Kind das eines Tages kann, dann muss ich es auch selbst tun.

Nicht perfekt.

Nicht immer.

Aber immer öfter.

Vielleicht ist genau das Selbstbewusstsein

Lange dachte ich, Selbstbewusstsein bedeutet, sich von nichts und niemandem verletzen zu lassen.

Heute sehe ich das anders.

Vielleicht bedeutet Selbstbewusstsein nicht, alles wegzustecken.

Vielleicht bedeutet es, den Mut zu haben zu sagen:

„Das hat mich verletzt.“

„Das fand ich nicht in Ordnung.“

„Ich habe gerade das Gefühl, das ist etwas Persönliches – ist es etwas Persönliches?“

Denn manchmal ist es das tatsächlich.

Und manchmal dürfen wir genau das auch benennen.
 

Und was, wenn ich etwas falsch mache?

Es gibt diese Frage, die mich immer wieder begleitet.

Nicht jeden Tag. Nicht bei jeder Entscheidung.

Aber oft genug, dass ich sie kenne.

Was, wenn ich etwas falsch mache?

Als Mama eines neurodivergenten Kindes treffe ich ständig Entscheidungen. Manche sind klein. Andere fühlen sich an, als würden sie über die gesamte Zukunft meines Kindes entscheiden.

Soll ich konsequent bleiben oder nachgeben?

Soll ich ihn schützen oder ihn die Erfahrung selbst machen lassen?

Soll ich auf mein Bauchgefühl hören oder auf die gut gemeinten Ratschläge von außen?

Manchmal habe ich das Gefühl, dass es für jede Entscheidung mindestens zwei gegensätzliche Meinungen gibt.

Kinder brauchen klare Grenzen.

Zu viele Regeln schaden.

Fördere die Selbstständigkeit.

Pass gut auf dein Kind auf.

Lass los.

Greif ein.

Und irgendwann sitze ich dazwischen und frage mich:

Wie soll ich wissen, was richtig ist?

Vor allem dann, wenn die Entscheidungen nicht nur mich betreffen.

Wenn es um mein Kind geht.

Wenn ich Angst habe, etwas zu übersehen.

Wenn ich Sorge habe, dass eine falsche Entscheidung später Folgen haben könnte.

Wenn ich mich frage, ob mein Kind dazugehört.

Oder ob ich es durch meine Entscheidungen unbeabsichtigt schwerer mache.

Diese Gedanken kenne ich gut.

Vielleicht kennst du sie auch.

Irgendwann habe ich jedoch etwas verstanden, das mir viel Druck genommen hat:

Ich werde nie alle Antworten haben.

Und das muss ich auch nicht.

Ich muss nicht perfekt sein.

Ich muss nicht jede Entwicklung vorhersagen können.

Ich muss nicht schon heute wissen, was in einem Jahr die beste Entscheidung gewesen wäre.

Was ich tun kann, ist etwas anderes.

Ich kann zuhören.

Ich kann hinschauen.

Ich kann lernen.

Ich kann Informationen sammeln.

Und ich kann Entscheidungen treffen, die sich für unsere Familie in diesem Moment richtig anfühlen.

Nicht für andere Familien.

Nicht für irgendwelche Experten im Internet.

Nicht für Menschen, die unsere Situation nur von außen betrachten.

Sondern für uns.

Das bedeutet nicht, dass jede Entscheidung automatisch perfekt ist.

Natürlich nicht.

Manchmal merke ich später, dass ich heute anders entscheiden würde.

Früher habe ich das als Fehler gesehen.

Heute sehe ich es anders.

Denn Kinder entwickeln sich.

Und wir Eltern entwickeln uns ebenfalls.

Neue Erfahrungen verändern uns.

Neue Erkenntnisse verändern uns.

Neue Herausforderungen verändern uns.

Warum sollten wir also immer dieselbe Meinung haben?

Warum sollten wir nicht dazulernen dürfen?

Warum sollten wir nicht unsere Sichtweise ändern dürfen?

Für mich bedeutet gute Elternschaft heute nicht mehr, immer die richtige Antwort zu kennen.

Für mich bedeutet sie, bereit zu sein, immer wieder hinzuschauen, zuzuhören und mein Bestes zu geben.

Und manchmal bedeutet sie auch, mir selbst zu erlauben, nicht perfekt zu sein.

Denn am Ende brauchen unsere Kinder keine perfekten Eltern.

Sie brauchen Eltern, die sie lieben.

Und die jeden Tag aufs Neue versuchen, einen guten Weg für ihre Familie zu finden.

Was war heute dein schönster Moment?

Wenn mich vor ein paar Jahren jemand gefragt hätte:

„Was war heute dein schönster Moment?“

hätte ich vermutlich lange nachdenken müssen.

Nicht, weil es keine schönen Momente gegeben hätte.

Sondern weil mein Blick oft auf etwas anderem lag.

Auf dem, was noch erledigt werden musste.

Auf dem, was schiefgelaufen war.

Auf den Sorgen, die ich mit mir herumgetragen habe.

Auf der To-do-Liste, die niemals wirklich fertig wurde.

Gerade als Mama kenne ich diese Tage.

Die Tage, an denen man morgens schon erschöpft aufwacht.

An denen Termine, Haushalt, Arbeit, Therapien, Schule und die Bedürfnisse aller Familienmitglieder gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangen.

Die Tage, an denen man abends ins Bett fällt und nur noch denkt:

„Geschafft.“

Aber manchmal passiert etwas Interessantes.

Manchmal fragt mich jemand nach meinem schönsten Moment des Tages.

Und plötzlich beginne ich zu suchen.

Nicht nach dem Problem.

Nicht nach der nächsten Aufgabe.

Sondern nach etwas Gutem.

Manchmal ist es etwas Großes.

Ein Erfolg.

Eine schöne Nachricht.

Ein besonderer Ausflug.

Aber viel häufiger sind es die kleinen Dinge.

Der erste Kaffee am Morgen in Ruhe.

Ein Sonnenstrahl auf dem Balkon.

Ein unerwartetes Lächeln.

Eine Umarmung.

Oder ein einfacher Satz.

Vor Kurzem war mein schönster Moment genau so einer.

Mein Sohn sagte zu mir:

„Mama, ich liebe dich.“

Nichts Außergewöhnliches.

Kein besonderer Anlass.

Kein großer Meilenstein.

Und trotzdem bedeutete dieser Moment für mich die Welt.

Vielleicht gerade deshalb.

Weil er mich daran erinnert hat, was wirklich wichtig ist.

Denn oft verbringen wir unsere Tage damit, Probleme zu lösen.

Wir organisieren.

Planen.

Begleiten.

Sorgen uns.

Funktionieren.

Und dabei übersehen wir manchmal die Augenblicke, die uns Kraft geben könnten.

Nicht, weil sie zu klein sind.

Sondern weil wir so beschäftigt sind, dass wir gar nicht mehr hinschauen.

Deshalb mag ich diese Frage inzwischen sehr:

„Was war heute dein schönster Moment?“

Sie verändert den Tag nicht.

Sie löst keine Probleme.

Aber sie lenkt meinen Blick für einen Moment weg von allem, was schwer ist.

Hin zu dem, was trotzdem schön war.

Und manchmal reicht genau das, um einen anstrengenden Tag ein kleines bisschen heller wirken zu lassen.

Vielleicht magst du dir diese Frage heute Abend selbst stellen.

Nicht, um etwas Perfektes zu finden.

Nicht, um dankbar sein zu müssen.

Sondern einfach, um kurz innezuhalten.

Und vielleicht entdeckst du dabei etwas, das sonst untergegangen wäre.

Einen kleinen Moment.

Einen Satz.

Ein Lächeln.

Etwas, das zeigt:

Heute war nicht nur schwer.

Heute war auch schön.

Vielleicht muss ich gar nicht stärker werden

Lange Zeit war ich überzeugt, dass mit mir etwas nicht stimmt.

Nicht offensichtlich. Nicht so, dass andere es bemerkt hätten.

Im Gegenteil.

Von außen wirkte ich meistens organisiert, zuverlässig und belastbar. Ich habe funktioniert. Auf der Arbeit. Zuhause. Für meine Familie. Für andere Menschen.

Und genau deshalb fiel mir lange nicht auf, wie erschöpft ich eigentlich war.

Wenn ich an meine Grenzen kam, suchte ich die Ursache immer bei mir.

Dann muss ich mich eben besser organisieren.

Dann muss ich geduldiger werden.

Dann muss ich belastbarer werden.

Dann muss ich lernen, mit Stress besser umzugehen.

Immer lag die Verantwortung bei mir.

Immer war die Lösung, noch mehr an mir zu arbeiten.

Heute sehe ich das anders.

Denn irgendwann begann ich mich zu fragen, ob das Problem vielleicht gar nicht meine fehlende Stärke war.

Was, wenn ich nicht erschöpft bin, weil ich zu wenig schaffe?

Was, wenn ich erschöpft bin, weil ich seit Jahren versuche, zu viel zu tragen?

Als Mutter habe ich irgendwann verstanden, wie viele Aufgaben unsichtbar sind.

Nicht nur Termine.

Nicht nur Einkäufe.

Nicht nur Arztbesuche, Therapien, Schule oder Haushalt.

Sondern all die Gedanken dazwischen.

Das ständige Mitdenken.

Das Planen.

Das Erinnern.

Das Sorgen.

Das Auffangen von Gefühlen.

Das Organisieren von Dingen, die niemand sieht, solange sie funktionieren.

Und je mehr Verantwortung ich übernahm, desto mehr glaubte ich, ich müsste einfach noch stärker werden.

Dabei war das vielleicht nie die richtige Frage.

Vielleicht geht es gar nicht darum, stärker zu werden.

Vielleicht geht es darum, anzuerkennen, was wir bereits jeden Tag leisten.

Vielleicht geht es darum, zu erkennen, dass manche Lasten nicht für eine einzelne Person gedacht sind.

Dass manches mehrere Schultern braucht.

Dass Erschöpfung nicht automatisch bedeutet, dass wir versagt haben.

Und dass wir nicht erst zusammenbrechen müssen, damit unsere Müdigkeit berechtigt ist.

Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückblicke, wünsche ich mir manchmal, jemand hätte mir das früher gesagt.

Nicht, damit alles leichter geworden wäre.

Aber vielleicht hätte ich aufgehört, ständig gegen mich selbst zu kämpfen.

Falls du dich manchmal fragst, warum du so müde bist:

Vielleicht liegt die Antwort nicht darin, dass du zu wenig schaffst.

Vielleicht trägst du einfach schon sehr lange sehr viel.

Und wenn das so ist, dann bist du damit nicht allein. 🤍


 

Wenn der Tag mit einem Meltdown beginnt

Es ist 07:45 Uhr.

Eigentlich müssten wir längst los.

Der Rucksack steht bereit. Die Schuhe liegen an der Tür. Im Kopf gehe ich bereits die Termine des Tages durch. Schule, Arbeit, Haushalt, Therapien, Anrufe. Alles wartet.

Und dann passiert etwas, das viele Eltern neurodivergenter Kinder kennen:

Mein Kind kann nicht mehr.

Es weint. Es schreit. Es ist überfordert.

Früher haben mich solche Situationen unglaublich gestresst. Heute manchmal auch noch wenn ich ehrlich bin. Nicht nur, weil wir zu spät kamen oder weil Pläne durcheinandergerieten. Sondern weil ich dachte, ich müsste das Problem sofort lösen.

Ich glaubte, gute Eltern hätten immer die richtige Antwort. Die richtigen Worte. Die perfekte Strategie.

Heute sehe ich das anders.

Ein Meltdown ist kein schlechtes Verhalten.

Ein Meltdown ist oft ein Zeichen dafür, dass gerade alles zu viel geworden ist. Zu viele Reize. Zu viele Erwartungen. Zu viele Gefühle auf einmal.

In solchen Momenten braucht mein Kind meistens keine Vorträge und keine schnellen Lösungen.

Es braucht Sicherheit.

Jemanden, der da bleibt.

Jemanden, der aushält, dass gerade nicht alles funktioniert.

Das klingt einfach. Ist es aber nicht.

Denn während mein Kind überfordert ist, läuft in meinem eigenen Kopf ebenfalls eine lange Liste weiter:

  • Wir kommen zu spät.
  • Was denken die anderen?
  • Ich muss zur Arbeit.
  • Der Termin darf nicht ausfallen.
  • Wie soll ich das heute alles schaffen?

Auch ich bin dann gestresst. Auch ich bin müde. Auch ich wünsche mir manchmal, dass jemand kurz die Verantwortung übernimmt.

Deshalb habe ich etwas Wichtiges gelernt:

Wenn mein Kind Sicherheit braucht, darf ich mir diese Sicherheit auch selbst geben.

Nicht perfekt reagieren.

Nicht alles kontrollieren.

Nicht sofort eine Lösung finden.

Sondern erst einmal atmen.

Einen Schritt nach dem anderen gehen.

Manche Morgen beginnen chaotisch. Manche Tage starten mit Tränen statt mit einem Lächeln. Das bedeutet nicht, dass wir versagt haben.

Es bedeutet nur, dass wir Menschen sind.

Und vielleicht müssen wir uns als Eltern manchmal daran erinnern, dass wir nicht nur diejenigen sind, die Sicherheit geben.

Wir dürfen sie auch selbst brauchen.

🤍

Kennst du solche Morgen?


 

Das Gefühl, immer funktionieren zu müssen

Kennst du das?

Der Wecker klingelt und noch bevor du die Augen richtig geöffnet hast, läuft die Liste in deinem Kopf bereits los.

An den Arzttermin denken.
Die Schulsachen kontrollieren.
Eine Nachricht beantworten.
Den Einkauf planen.
An die Therapie erinnern.
Die Wäsche.
Die Arbeit.
Den Haushalt.

Und während du von einer Aufgabe zur nächsten gehst, bleibt kaum Zeit, um innezuhalten und zu fragen:

Wie geht es eigentlich mir?

 

Wenn Funktionieren zur Gewohnheit wird

Ich glaube, viele Eltern kennen dieses Gefühl.

Besonders dann, wenn das eigene Kind zusätzliche Unterstützung benötigt.

Wenn Termine koordiniert, Formulare ausgefüllt, Gespräche geführt und Entscheidungen getroffen werden müssen.

Irgendwann wird das Funktionieren zur Gewohnheit.

Man macht einfach weiter.

Nicht weil man sich stark fühlt.

Sondern weil man das Gefühl hat, keine andere Wahl zu haben.

Denn jemand muss sich kümmern.

Jemand muss den Überblick behalten.

Jemand muss daran denken.

Und oft sind wir genau diese Person.

 

Der unsichtbare Rucksack

Von außen sieht man häufig nur einen kleinen Teil dessen, was Eltern täglich tragen.

Man sieht vielleicht den Arzttermin.

Oder die Therapiesitzung.

Oder den Schulranzen am Morgen.

Was man nicht sieht, sind die Gedanken dazwischen.

Die Sorgen um die Zukunft.

Die Frage, ob man die richtige Entscheidung getroffen hat.

Die schlaflosen Nächte.

Die To-do-Listen im Kopf.

Die Verantwortung, die sich oft schwerer anfühlt als jeder vollgepackte Rucksack.

Und genau deshalb sind viele von uns nicht erschöpft, weil sie zu schwach wären.

Sondern weil sie schon lange sehr viel tragen.

 

Wann hast du zuletzt auf dich selbst geachtet?

Eine Frage, die ich mir selbst viel zu selten gestellt habe.

Denn wenn man ständig damit beschäftigt ist, sich um andere zu kümmern, wird das eigene Wohlbefinden oft zur Nebensache.

Die Pause wird verschoben.

Die eigenen Bedürfnisse werden vertagt.

Die Erschöpfung wird ignoriert.

Schließlich funktioniert man ja noch.

Doch nur weil wir funktionieren, bedeutet das nicht, dass es uns gut geht.

 

Stärke sieht anders aus

Lange Zeit habe ich Stärke damit verbunden, alles allein schaffen zu müssen.

Heute glaube ich etwas anderes.

Stärke bedeutet nicht, immer weiterzumachen.

Stärke bedeutet auch, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Zu erkennen, wenn etwas zu viel wird.

Unterstützung anzunehmen.

Grenzen wahrzunehmen.

Und sich selbst mit der gleichen Fürsorge zu begegnen, die man anderen jeden Tag schenkt.

 

Du bist nicht allein

Falls du gerade das Gefühl hast, ständig funktionieren zu müssen:

Du bist damit nicht allein.

Und du musst nicht erst vollkommen erschöpft sein, damit deine Belastung berechtigt ist.

Vielleicht ist es heute genug, einfach anzuerkennen:

“Ja. Das ist gerade viel.”

Nicht weil du schwach bist.

Sondern weil du schon lange sehr stark gewesen bist.

🤍


 

Vielleicht bist du nicht überfordert, weil du zu schwach bist.

Kennst du das Gefühl, ständig hinterherzulaufen?

Du denkst an den nächsten Arzttermin, die Schulsachen für morgen, die Einkaufsliste, unbeantwortete Nachrichten, Formulare, Therapien, Termine und all die kleinen Dinge, die niemand sieht – die aber trotzdem erledigt werden müssen.

Und während du versuchst, alles unter einen Hut zu bekommen, schleicht sich ein Gedanke ein:

“Warum schaffe ich das nicht besser?”

Vielleicht vergleichst du dich mit anderen Eltern. Vielleicht fragst du dich, warum sie scheinbar alles mühelos bewältigen, während du schon morgens das Gefühl hast, dass der Tag zu schwer ist.

Lange Zeit dachte ich genau das.

Ich war überzeugt, ich müsste einfach nur besser organisiert sein. Noch eine Liste schreiben. Noch eine App ausprobieren. Noch mehr planen. Noch mehr leisten.

Doch irgendwann wurde mir klar:

Das Problem war nicht, dass ich zu wenig getan habe.

Das Problem war, dass ich versucht habe, zu viel gleichzeitig zu tragen.

Die Last, die niemand sieht

Besonders Eltern neurodivergenter Kinder kennen diese unsichtbare Last.

Da sind die Termine bei Ärzten, Therapeuten oder in der Schule. Die Gedanken darüber, ob das eigene Kind verstanden wird. Die Sorge um die Zukunft. Das ständige Erklären gegenüber anderen Menschen. Die Anpassungen im Alltag, die niemand bemerkt.

Und oft kommt noch etwas dazu:

Das Gefühl, mit all dem allein zu sein.

Von außen sieht vieles ganz normal aus. Doch im Inneren läuft ein Dauerprogramm aus Organisieren, Planen, Erinnern, Sorgen und Funktionieren.

Kein Wunder, dass irgendwann die Kraft nachlässt.

Du musst nicht erst zusammenbrechen

Etwas, das ich selbst erst lernen musste:

Belastung muss nicht erst in einem Zusammenbruch enden, um berechtigt zu sein.

Du musst nicht warten, bis gar nichts mehr geht.

Du musst nicht beweisen, wie stark du bist.

Und du musst dich nicht dafür rechtfertigen, dass etwas schwer ist.

Manchmal ist es bereits genug anzuerkennen:

“Ja. Das ist gerade viel.”

Nicht weil du schwach bist.

Sondern weil du viel trägst.

Ein Ort für ehrliche Gedanken

Mit SafeMind möchte ich einen Raum schaffen für genau diese Gedanken.

Für die Dinge, die oft unausgesprochen bleiben.

Für Eltern zwischen Funktionieren und Erschöpfung.

Für Menschen, die sich manchmal fragen, ob sie die Einzigen sind, denen alles zu viel wird.

Du bist es nicht.

Und vielleicht beginnt Entlastung nicht damit, noch mehr zu leisten.

Vielleicht beginnt sie damit, anzuerkennen, wie viel du bereits jeden Tag trägst.

🤍


 

Ich dachte lange, alle anderen hätten eine Anleitung fürs Leben bekommen

Kennst du das Gefühl, dass andere Menschen scheinbar mühelos durchs Leben gehen?

Dass sie wissen, wie man Freundschaften schließt, Konflikte löst, Entscheidungen trifft und einfach seinen Platz findet?

Lange Zeit dachte ich, alle anderen hätten dafür eine Art Anleitung bekommen.

Nur ich nicht.

Natürlich wusste ich, dass das nicht wirklich so ist. Trotzdem fühlte es sich oft genau so an.

Während andere scheinbar selbstverständlich mit Situationen umgingen, analysierte ich. Ich beobachtete. Ich fragte mich, was ich übersehen hatte und warum manche Dinge für mich so viel komplizierter wirkten.

Besonders in sozialen Situationen hatte ich oft das Gefühl, eine Regel nicht verstanden zu haben, die allen anderen längst bekannt war.

Also begann ich, mich anzupassen.

Ich beobachtete Menschen, analysierte Gespräche und versuchte herauszufinden, wie man „richtig“ funktioniert.

Damals dachte ich, das Problem läge bei mir.

Heute sehe ich das anders.

Mit den Jahren habe ich gelernt, dass viele Menschen dieses Gefühl kennen. Sie sprechen nur selten darüber.

Viele von uns laufen durch die Welt und glauben, sie seien die Einzigen, die zweifeln. Die Einzigen, die sich anders fühlen. Die Einzigen, die das Gefühl haben, ständig einen Schritt hinter allen anderen zu sein.

Dabei sitzen oft mehrere Menschen im selben Raum und denken genau das Gleiche.

Vielleicht haben die anderen also gar keine Anleitung bekommen.

Vielleicht versuchen wir alle nur, unseren eigenen Weg zu finden.

Und vielleicht bedeutet Anderssein nicht, dass mit uns etwas nicht stimmt.

Vielleicht bedeutet es einfach, dass unser Weg anders aussieht als der der Menschen um uns herum.

Wenn du dieses Gefühl kennst, möchte ihr dir eines sagen:

Du bist damit nicht allein.

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